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Sieben Uhr morgens. Der Campingplatz schläft. Ein einsamer Angler am See. Sein Frühstück: ein Bier. 

Komm, wir malen eine Sonne

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Im Herbst hatte ich gesagt: Drei Monate, bis zum Winter. Dann kam der Winter, es wurde Frühling, jetzt haben wir Sommer, und ich denke, es läuft auf einen weiteren Winter hinaus. Ende März aber will ich weg sein. Ich habe meine Pläne.

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In einer meiner ersten Erinnerungen liege ich morgens im Bett der Eltern. Über meinem Kopf schaukelt die Deckenlampe, jemand hat sie aus Spaß bewegt. Ich habe Angst, sie könnte fallen. Angst war seither mein großes Thema. Angst vorm Zurückgelassen werden. Angst vorm Scheitern. Angst vor Fehlern. Angst, nicht zu genügen. Angst vorm Alter. Angst vorm Tod.

Ich wäre gern mutiger. Ich wäre gern gnädiger. Mit mir und der Welt.

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Der Wetterbericht kündigt Regen an. Der erste, nach gefühlt drei Monaten. Nachts kann ich deswegen kaum schlafen. Immer wieder blicke ich auf den Satellitenfilm. Noch vier Stunden. Noch drei Stunden. Um drei Uhr am Morgen ist es dann soweit. Die ersten Blitze. Es regnet. Verhaltenes Trommeln auf dem Dach. Moment des Glücks. 

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Die Radfahrer sind immer schon am frühen Morgen weg. Meist sind es Männer. Meist sind es Jungs. Hin und wieder  Paare. Ganz selten mal eine Frau - wie die Mutti mit ihren zwei Kids im Fahrradanhänger mit Wimpelchen und einem Zelt. 

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Eine Gruppe Jugendlicher gibt mir vorübergehend den Rest. Als die kreischenden betrunkenen Mädchen endlich den Platz verlassen, entspannt sich zunächst die Lage. Dann aber pinkeln mir die ebenfalls betrunkenen Jungs direkt vors Chateau  und ich verliere die Contenance. Muss man wirklich immer wieder bei null anfangen? Nein, das ist nicht die Toilette. Und ja, ihr schafft das; wie alt seid ihr?

Fun. Fun. Fun.

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Wie ich als Kind mit dem Zeh die von der Sonne entstandenen Blasen im Teer auf der Straße ausdrückte. Die Gruppe Pappeln an der Havel im Wind. Der Ruf der Krähen in den Bäumen gegenüber der Küche. Der Saft gezuckerter Erdbeeren. Die Wasserläufer im Schwimmbad. Kekse und Cola am See. Komm, wir malen eine Sonne. Ferien.

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Über 14 Tage stand das Zelt des sonderbaren Paares verwaist. Dann, nach einem Wochenende, ist es plötzlich verschwunden. Stattdessen steht dort jetzt ein anderes Zelt. Mit einem neuen sonderbaren Gast. Und so ist das wohl. Man kommt, man lebt, man geht, der Nächste, bitte. 

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Sieben Uhr morgens. Der Campingplatz schläft. Ein einsamer Angler am See. Sein Frühstück: ein Bier. 

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Mit 17 Jahren bin ich von Zuhause weg. Seither ein unfreiwilliges Getriebensein, und irgendwie immer auch Suche. Dieses selbstverständliche Gefühl des Aufgehoben sein wie in der Kindheit, das hatte ich später nur für kurze Zeit. Was ist der richtige Platz? Und wenn Heimat Geborgenheit bedeutet, wieso ist sie dann nicht hier?

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Ein junge Amsel fliegt gegen die Glasscheibe am Waschraum, Blut tropft aus ihrem Schnabel. Eine Frau hebt sie vorsichtig auf und zusammen legen wir sie ins Gebüsch. Manchmal erholen sie sich, sagt sie. Manchmal holt sie die Katze.

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Noch zweimal schlafen, dann Urlaub.

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