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Nach Sonnenuntergang nochmal in den See. Plötzlich alles herbstfarben, alles ganz still.  Bei jedem Schwimmzug zerplatzen zischend kleine Blasen. Mit nassen Haaren ins Bett. Würde gerne mal wieder gut schlafen.

Sommer. Mohn. Und Blume.

Gute Nacht, John-Boy

Die Saison groovt sich ein. Und wenn ich eben noch geschrieben hatte, mit dem Sonntagabend kehre für eins, zwei Abende vorübergehend Ruhe ein, ist davon kaum noch etwas zu spüren. Camper kommen, Camper gehen, und ein System, wann, zu welcher Zeit, ist nicht mehr wirklich zu erkennen. Ich selbst versuche derweil, mich gegen die Strömung zu bewegen. Aufstehen, wenn alles noch schläft, und zurück zu sein, wenn die meisten unterwegs sind. Klappt nicht immer. 

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Jeden Morgen dasselbe Ritual. Punkt 5.50 Uhr fährt der Nachbar vom Hof und in etwa 20 Minuten später ist er vom Bäcker  wieder zurück. Tag für Tag geht das so. Woche für Woche. Monat für Monat. Und wie viele Jahre er das jetzt so macht, ich weiß es nicht. Es ist wie beim Film mit dem Murmeltier, nur freiwillig.

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Ich stelle jetzt immer zwei ausgeklappte Campingstühle vor den Wohnwagen. Fürs Gefühl. 

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Paare sind gut. Fahrradfahrer sind gut. Familien, kommt drauf an. Ältere Jungs sind eher zu ertragen als ältere Mädchen, die kreischen nicht fortwährend. Gruppen immer schwierig. Holländer schlafen im Baumwollzelt. Fahrradfahrer im Tunnelzelt, Paare in der Kuppel. Die Camper mit wenig Ambitionen kommen mit Quechua. Die, mit wenig Erfahrung stellen sich in die Sonne. Wobei beides häufig einhergeht. 

Die meisten bleiben zwei Nächte. Männer kommen eher allein als Frauen. Rentner sind ausschließlich zu zweit unterwegs.  Mittags und ab 21 Uhr sind die Duschen leer. Die Männer sind freundlicher als die Frauen.

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Zum zweiten Mal zu einem Zelt mit der Bitte um leisere Musik. Beim ersten Mal war es ein betrunkener junger Mann, beim zweiten Mal sind es zwei betrunkene junge Frauen. Erst entschuldigen sie sich artig wie ihre grandios beschissene Bummsmusik, am nächsten Abend aber rüsten sie in Anwesenheit zugereister Freunde auf, ich höre, wie sie sich immer wieder auch über mich lustig machen. Erst überlege ich, nochmal hinzugehen, die Aussicht aber, mir vom Wortführer eine einzufangen, hält mich zurück. Stattdessen entscheide ich mich für Oropax, und in die gewonnene Stille hinein diskutieren nun mein schlechtes Gewissen und mein Trotz; ich halte eine flammende Verteidigungsrede zu meinen Gunsten.

Penner.

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Nach Sonnenuntergang nochmal in den See. Plötzlich alles herbstfarben, alles ganz still.  Bei jedem Schwimmzug zerplatzen zischend kleine Blasen. Mit nassen Haaren ins Bett. Würde gerne mal wieder gut schlafen.

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Und wieder Minuten sinnlos vertan. Mit dem Suchen nach dem Ladegerät. Nach der Fusselrolle. Nach dem Müllbeutel. Nach dem Schlüssel. Dem Messer. Den Unterlagen. Den Karten. Auf das naheliegende, an der Stelle zu suchen, wo die Dinge eigentlich hingehören, komme ich nicht, ich traue mir selbst nicht.

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Drei Jugendliche im Zelt; ein Junge, zwei Mädchen, mit sich selbst im Reinen. Etwas weiter ein Mädchen, ähnliches Alter, allein mit dem Fahrrad und im Biwak unterwegs. Während sich die Gruppe raumeinnehmend unterhält, sitzt sie den ganzen Abend still und gebeugt über einem Buch oder etwas zu essen, ihr Gesicht dabei immer verdeckt von einem Basecape. Nur fünf Meter Abstand und doch zwei Welten.

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Drei Tage verkauft sie noch Erdbeeren, sagt die Frau vom Erdbeerstand. Dann sei die Saison vorbei. Anfang August, sagt der Mann im Naturschutzgebiet, fliegen die Störche. Zuerst ziehen die Jungen, dann folgen die Alten. Kurz zuvor treffen sich alle Störche aus der Gegend noch einmal in der Gruppe, als wollten sie die Route beratschlagen. Es ist 23 Uhr, im Chateau sind 30 Grad. Das Wasser in den Flaschen ist so warm; es sind bessere Wärmflaschen.

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Augen zu. Klappe zu. Schlafen. Sagt der Nachbar im Zelt zu seinen Kindern. Und tatsächlich. 20 Minuten später hält der gesamte Campingplatz Ruhe, auch die Lautesten sind nun still.

Gute Nacht, John-Boy.
Gute Nacht, Mary-Ellen.

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