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Der Moment der Stille am Wochenende und die Stille unter der Woche, es ist etwas anderes. Sind alle wieder weg, ist das überall zu spüren, es ist wie ein großes Durchatmen.

"Hauptsache, ich bin bei dir!"

Nach knapp zwei Monaten ohne Regen gleicht der Campingplatz einem Ort in der Steppe. Der Wind saugt die letzte Feuchtigkeit aus dem Boden, feiner Sand wie eine Haut über allem. Nur in den Vorgärten der Dauercamper gibt es noch grün; ihre Rasen bilden eine Art Demarkationslinie. Wer von ihnen das Glück hat, direkt am See zu wohnen, hat zugleich das Pech, den Sommer mit den Campern teilen zu müssen. Während der eine Anwohner dabei über die Gleichmut oder die Gelassenheit eines Elefanten verfügt, hat es sich der andere  zur Routine gemacht, übers Wochenende selbst zu verreisen. Und man kann ja tatsächlich die Uhr danach stellen; Donnerstagabend, spätestens Freitagabend setzt der Ansturm ein, Samstag erreicht das Ganze seinen Peak - und Sonntag ist in der Regel alles wieder vorbei. Es sei denn, es ist Messe, es sei denn, es sind 38 Grad. Und so ganz kann ich es mir selbst nicht erklären, aber der Moment der Stille am Wochenende - und die Stille unter der Woche, es ist etwas anderes. Sind alle wieder weg, ist das überall zu spüren, es ist wie ein großes Durchatmen.


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Ein sonderbares Paar hat Platz bezogen. Beide vielleicht Anfang 30, beide nicht ganz von dieser Welt, in welcher Sphäre sie auch immer unterwegs sind. Im Laufe von wenigen Tagen haben sie um ihr Zelt einen ganzen Hausrat versammelt, inklusive Penny-Einkaufskorb, Flaschen, Wasserkocher, Topfpflanze, Harke, Schaufel. Und als sie nach einem handfesten Streit untereinander plötzlich verschwinden, ist die Erleichterung zunächst groß. Doch Stunden später taucht erst er wieder auf, sie zieht nach - und nun beobachten alle aus sicherer Distanz das seltsame Treiben. Selbst für einen Campingplatz sind die Probleme der beiden enorm, man möchte nicht tauschen. Und irgendwie möchte man die Probleme auch nicht um sich haben, etwas, das nicht eben stolz macht. Die eigene Spießigkeit, das ist daran das eigentlich erschütternde.

Ansonsten bisher unvergessen: 
Eine Gruppe, bestehend aus 23 Schülern, die meisten um die 17. Drei Wochen zu Gast. 
Ein Ehepaar, von dem er das komplette Wochenende in der Sonne mit einer Kiste Bier vor dem Wohnmobil verbringt.
Ein junger Mann. Eine Nacht. Ähnliches Konzept.
Vier Mädchen. Alle um die 14. Die meiste Zeit verbringen sie zu viert auf einem SUP-Board, ihr Dauerkreischen liegt für zwei Tage über dem See.
30 Rammsteinfans. Eine Nacht. 

Am angenehmsten: die Rammsteinfans. 

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Seit Tagen nicht im See gewesen. Das gab es zuletzt im Winter, als es das Eis nicht zuließ. Es ist eben doch etwas anderes, wenn es jeder machen kann, die Motivation fehlt. Was mich aber reizt: Nachts mal schwimmen zu gehen. Muss ein merkwürdiges Gefühl sein; unter einem das rätselhafte Dunkel, über einem die Schwärze der Nacht. Nur, allein traue ich mich nicht. Und hier jemanden fragen, ob er währenddessen am Ufer Wache hält, ich weiß nicht. Vielleicht ja bei Vollmond. Vielleicht dann mit Schwimmflügeln. 

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Viele Holländer. Unter der Woche vor allem Rentner. Die Jungen grüßen eher nicht. Am meisten berührend: Wenn Senioren sich aus einem kleinen Zelt schälen. 

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Die Verzweiflung an sich selbst, Dinge nie dahin zurückzustellen, wo man sie hergenommen hat. Und immer wieder aufs Neue das sich daran anschließende Chaos. Und immer wieder aufs Neue auch der vergebliche Versuch, die Abläufe, die Muster zu durchbrechen. Null Chance. 

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Sonnenwende, und die Gänse sind so laut, dass man nachts nicht schlafen kann. Das Quaken der Frösche ist von einem Tag zum anderen verstummt, und auch das Konzert der Vögel am Morgen ist verklungen. Tauben und Gänse - mehr ist nicht geblieben. 

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Immer wieder die Angst in der Dusche, dass die 50 Cent für das warme Wasser nicht reichen. Ein Gespräch mit meiner Tante klärt das Problem, als sie fragt: "Warum nimmst du nicht zwei 50er mit?" Neun Monate hat mich diese Erkenntnis gekostet. Es ist so mühsam.

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Traum: Mein linkes Auge bleibt beim Bücken am Dorn einer Hecke hängen. Erst traue ich mich nicht, das Auge zu öffnen, als ich es dann doch probiere, läuft es aus. 
Erwachen. Warum träumt man denn sowas?

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Tränen, wegen nichts und um alles. Nicht zu wissen, was richtig ist, nicht zu wissen, wie man lebt, ohne am Ende zu bereuen. Bleierne Einsamkeit und zugleich die Suche danach. Wie wird man der, dass man Ende mit Genugtuung gehen kann? Und immer häufiger die Erinnerung an die Gedanken, die man hatte, als man jung war. Was man wollte, wer man sein wollte, die viel verlorene Zeit für Dinge, die so unnötig waren. Ich weiß, was ich nicht will. Aber was ich will, das weiß ich genaugenommen nicht. 

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Mir fehlt mein Freund. Mir fehlt meine Familie. 

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"Wohin gehen wir, Balu?

Tja... vielleicht ... 

...Ach... einen neuen Weg. Und dann...

Ist ja auch egal.

Hauptsache, ich bin bei dir!"  

(aus dem Dschungelbuch)

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