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Leben

Sagte ich es schon? Ich bin glücklich. Ich bin glücklich über meinen neuen Platz. Ich bin glücklich über mein kleines Chateau. Ich bin glücklich über die neue Stadt. Und vor allem aber bin ich glücklich, vor Monaten eine Entscheidung getroffen zu haben. Und auch wenn die Tage in der Vergangenheit mitunter nicht einfach waren, umso besser geht es mir heute. Ich komme mir vor wie jemand, der nach langer Reise mit großer Ungewissheit endlich am Ziel angekommen ist. Gerade habe ich die Miete für das nächste halbe Jahr überwiesen, 1000 Euro, sechs Monate, 166 Euro. Das ist nicht viel gemessen daran, was andere üblicherweise bezahlen. Und es ist sehr viel, wenn ich mir ausrechne, wie lange ich so ausgerüstet einem worst case gegebenenfalls standhalten könnte. 

Das Wichtigste im Leben ist es, so habe ich gelernt, den Rücken frei zu haben, selbst entscheiden zu können, wann man geht, immer einen Ausweg zu sehen, wenn das Alte nicht behagt. Sich sagen zu können, dann eben nicht. Ich kenne einen, der legt jeden Monat etwas Geld zurück für den Fall der Fälle, er nennt es: Scheiß-egal-Konto.
Mein Chateau ermöglicht mir meinen ganz persönlichen Scheiß-egal-Puffer.

In mir ist ein Lachen. Die Freude über die Ungebundenheit.
Der Stolz, das alles angegangen zu sein. Nicht gekniffen zu haben.
Und auch wenn es albern klingt. Ich bin mir tatsächlich dankbar. Am Ende ist man nur sich selbst verpflichtet.










"In mir ist ein Lachen. Die Freude über die Ungebundenheit. Der Stolz, das alles angegangen zu sein."
 

Das Leben feiern

Immer, wenn ich vom Bett aus auf den See blicke, sieht es aus, als würde ich auf einem Boot statt in einem Wohnwagen leben. Unter der aufgehenden Sonne steigt Nebel auf, Vögel zwitschern, die Bäume auf der anderen Seite haben ihre Scherenschnittsilhouette verloren, mit dem Grün ihrer Blätter bilde ich mir ein, am Amazonas vor Anker zu liegen.
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Zwei Männer haben ihr Zelt neben mir aufgeschlagen, der Biersorte nach zu urteilen: Mitte 20. Und während ich im Urlaub üblicherweise diejenige bin, die sich am Morgen ungelenk aus dem Zelt pult, sind die Rollen nun vertauscht. Ich überlege, ihnen einen Kaffee anzubieten. Am nächsten Morgen aber sind sie schon wieder verschwunden und ich fühle mich ein bisschen verlassen.
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Noch einmal Minusgrade in der Nacht, noch einmal eingefrorene Fenster auf dem Chateau. Erinnerung an die Angst vor den ersten kalten Nächten. Heute alles längst Routine. Das Getreide auf den Feldern nebenan inzwischen kniehoch. Mit der Ernte endet der Sommer.
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Meine Joggingrunde führt vorbei an Teichen und Seen, die an Schweden erinnern - und es ist wie beim Hasen und Igel; immer sind die Angler schon vor mir da; immer sind es Männer mit den archaischen Hobbys. Und es sind auch immer die Männer unter den Campern, die die Brötchen zum Frühstück holen. 
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Stromabrechnung, die Nächste. Jetzt für die Monate Januar bis März. Zählerstand Anfang: 1068. Zählerstand neu: 1078. Macht: 5,50 Euro. Ich hab das dann mal bar bezahlt.
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Einer meiner liebsten Plätze ist, das mag an dieser Stelle überraschen, aber es ist der Friedhof. Der Blick auf die Grabsteine, das Wissen der Endlichkeit, das alles hilft mir, Nebensächlichkeiten wieder in die richtige Reihe zu verschieben. Wir alle sollten viel öfter auf einen Friedhof gehen und das Leben feiern.
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  1. Nachts um 1 Uhr vor dem Chateau.
    Auch jemand, der nicht schlafen kann.

New life old Caravan - next level

Nach dem noch immer nicht ganz vollendeten Projekt Bad, bekommt das Chateau neue Gardinen. Die alten hatte ich bei Kauf gleich entsorgt und all die Monate ohne gelebt. Aber jetzt erst fällt mir auf, wie schön es mit Vorhängen ist. Um es mit dem Dude zu sagen: Sie haben das Zimmer erst richtig gemütlich gemacht. Bei der Umsetzung entschied ich mich dann für die unsportliche Variante und ließ sie von einer Fachfrau nähen, Menschen mit Talent können es natürlich auch selbst machen. Inspirationen gibt es hier: 
https://paulcamper.de/magazin/wohnwagen-renovieren/

Fakenews

In Gesprächen taucht immer mal wieder die Frage auf, wie viel Zeit ich auf dem Campingplatz denn nun wirklich verbringe; jetzt mal echt, heißt es dann, so unter uns, Hand aufs Herz. Das Erstaunen ist dann immer groß, wenn ich sage, dass ich hier tatsächlich lebe, von montags bis sonntags, vom ersten Tag des Monats bis zum Letzten, von Beginn Oktober bis aktuell jetzt, aber so ganz scheint man mir nicht zu trauen. Es gab auch den Verdacht, ich würde zwischendurch mal ins Hotel einchecken, sollte das Wetter zu unbequem sein. Oder übers Wochenende nach Lübeck fahren, meiner alten Basisstation. Richtig ist, dass ich bisher nur in Ausnahmefällen das Lager räumte, zu Arztterminen in old town etwa oder für irgendwelche Partys, auch Weihnachten haben meine Familie und ich hier gefeiert. Ostern, okay, da war ich im Urlaub, aber da auch immerhin zelten. Insofern bin ich jetzt tatsächlich Dauercamper. Ich wollte das alles, ich will es noch immer. Was das Leben am Ende bringt, wird man sehen. 

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Es gibt gute Zeiten auf einem Campingplatz, und es gibt schlechte. Grundsätzlich empfiehlt sich ja immer, azyklisch zu verreisen, das ist beim Campen nicht anders. Hier meine Empfehlungen:

  • Sonntags anreisen, freitags fahren. Die Wochenenden sind in der Saison immer sehr bewegt, auch an weniger prädestinierten Plätzen. Unter der Woche ist man so gut wie allein. 
  • Im Oktober campen. Mit Glück ist es noch hinreichend warm; die Saison aber ist vorbei, und die meisten Camper sind des Draussenseins inzwischen müde. Anders zu Beginn der Saison. Da stehen sie schon im März in den Startlöchern, der Run beginnt mit dem ersten Sonnenstrahl. 
  • So spät wie möglich abreisen. Viele Camper lieben es, möglichst früh auf einem Platz aufzuschlagen - im Gegenzug sind sie möglich früh auch wieder weg. Das heißt, ab spätestens 10 Uhr hat man die Wiese weitgehend für sich. 
  • Early Bird. Frühes Aufstehen garantiert Ruhe. Das Camperleben startet im Schnitt gegen 9 Uhr; die Stunden davor liegen in Stille. Der Sonntagmorgen ist dabei der Schönste; während die Welt ihren Rausch ausschläft, liegt einem auch der Rest der Welt zu Füßen.

Begegnung

Kulba - The Teardrop Trailer

Größer geht immer, das Gegenteil aber auch. Das hier ist ein Kulba, er ist mir quasi vor die Füße gefallen. Der Besitzer hatte sich das gute Stück vor zwei Jahren aus Riga, Lettland, via Container schicken lassen. Aus Birkenholz, mit Vorzelt, richtigem Bett und - Bordküche. Die Vorgängermodelle, so erzählt er, kamen ursprünglich aus den USA, in den 1930er-Jahren sei das Konzept dazu entstanden, damals lernten die Menschen gerade das Campen schätzen. Mit zunehmendem Wohlstand aber verschwanden die Minis aus dem Verkehr, bigger wurde better, erst vor zehn Jahren erlebte der Kulba dann eine Renaissance. Der Wohnwagen ist zwar nicht größer als ein gemütliches Bett, der Inhaber dieses Wagens aber hier schätzt die Flexibilität und die Handlichkeit. Der Kleine kann mit kleinem Wagen gezogen werden, und nach Lust und Laune holt man ihn wie ein Zelt aus der Garage und fährt damit in die Natur. Das Gute daran außerdem: Die Größe erlaubt das Stehen auf Plätzen, die großen Campern vorenthalten bleiben. Was hip ist, hat seinen Preis; vor etwa zwei Jahren entstanden, kostete dieser Wagen auch damals schon stattliche 7000 Euro, inzwischen sind die Preise noch weiter gestiegen; mit Überführung zahlt man heute zwischen 9000 und 10 000 Euro, die Fertigung in Deutschland ist noch um einiges teurer.

Mehr über die Historie hier: https://www.theteardroptrailer.com/history
Mehr Infos auch zum Kauf hier: https://colognecamper.com/kaufen/minicaravan/kulba-teardrop-caravan

 

 

Momente

 

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