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#Mein Campingplatz #Mein Wohnwagen #Mein Leben

Noch vor gar nicht so langer Zeit waren die Namen derer, die hier auf der Dauer leben, übersichtlich, inzwischen füllen sie drei Seiten - und es werden immer mehr, sagt die Frau von der Rezeption. Die Mietpreise würden die Leute auf den Campingplatz treiben, und sie erzählt, wie ihre eigene Miete gerade um 30 Prozent erhöht worden ist vom neuen Hausbesitzer, man merkt ihr den Ärger darüber an. Auf dem Campingplatz liegt die Jahresmiete für einen Platz zwischen 1350 bis 1500 Euro, die Höhe der Miete richtet sich nach der Lage der Plätze und der Länge der Laufzeit des Vertrages; je länger desto günstiger -  hinzukommen noch die Kosten für Wasser und Strom, und es kann sich jeder selbst ausrechnen, was das bedeutet.

Und während  es also immer mehr Menschen raus aus den Wohnungen treibt, weil sie die Mieten nicht mehr bezahlen können oder wollen, weil sie nach einer Alternative zum bisherigen Leben suchen, weil sie das Minimalistische lieben oder die Umgebung, weil die Familie zerbrochen ist oder der Job es erfordert, bleibt die gesellschaftliche Akzeptanz gering, aus eben zum Teil auch diesen Gründen.

Und je länger man darüber nachdenkt, desto weniger sonderbar ist es dann auch, warum im Gegenzug ein Leben auf einem Hausboot oder auf einer Yacht als romantisch gilt, bei einem Wohnmobil/wagen dagegen das Verständnis aufhört, es sei denn, es handelt sich dabei um einen VW-Bus - oder etwa einen amerikanischen Airstream, der eine gilt als hip, der andere ist teuer, Hausboot und Yacht bedienen beides, und das ist am Ende auch der Grund für den gesellschaftlichen Konsens. Das Leben im Wohnwagen dagegen hat den Nimbus des Scheiterns. Niemand zeigt stolz Fotos und sagt: "Mein Campingplatz. Mein Wohnwagen. Mein Leben." Das Ganze ist zu wenig elitär; es erinnert zu sehr an fahrendes Volk, an Außenseiter; es kostet zu wenig und ist deswegen nichts wert;  Status versus Moral. 

Die Angst vor der Saison

Eben noch hatte ich die Wiese so gut wie für mich allein, jetzt zieht das Tempo an, und das Wetter macht es nicht eben besser.  Und mit jedem neuen Campmobil wird die Panik vor der Saison größer. Ich wollte auch längst umgezogen sein, der Platzwart aber hat das Projekt vertagt und jetzt sitze ich quasi mitten im Geschehen. Der Abschied von der Einsamkeit fällt ausgesprochen schwer, und beim Blick aufs Wetter das Wissen, dass mit jedem weiteren warmen Tag ein Stück des lieb gewonnen Friedens verloren geht. April, Mai, Juni, Juli, August, September. Selten habe ich einem Sommer mit so viel Skepsis entgegengesehen. Große Sehnsucht. Nach der alten Zeit. 

Was mich tröstet: die melancholische Stimmung am frühen Morgen. Wenn der See glatt einer Eisfläche gleich im Nebel liegt. Und eine blutrote Sonne hinter den Bäumen aufsteigt. Das Wissen, das alles Übergang ist. Erinnerung. 

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Gans glotzt, Gans schwimmt auf mich zu. Gans kommt näher. Und näher. Noch näher. Dann erhebt sie sich zwei Meter vor mir mit großem Geschrei. Wer hat denn angefangen? Blöde Gans.

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Umzug, dann doch, und ich bin glücklich. Neuer Platz, neue Sicht, neue Nachbarn; mit der Schieflage eines alten Dampfers parkt mein Chateau jetzt auf der anderes Seite des Sees, im Rücken ein Häuschen, das an einen Urlaub in Griechenland erinnert - und während ich eben noch mit dem bevorstehenden Wechsel haderte, freue ich mich. Und einmal mehr die Erkenntnis, dass Aufbruch selten ein Fehler ist. Und am nächsten Tag dann beim Bäcker der Spruch über dem Tresen: "Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert."

 

 

Leben auf dem Campingplatz

Pro

  • Leben im Idealfall in der Natur
  • Leben mit überschaubarem Besitz - versus: weniger Verantwortung, mehr Zeit
  • Günstige Unterhaltungskosten - schafft Freiräume für andere Dinge
  • Flexibilität
  • Anschaffungspreis
  • Besitz der eigenen vier Wände
  • kein Straßenlärm, keine Enge der Stadt 
  • Ortsunabhängigkeit

Kontra

  • Ordnung und Sauberkeit. Nicht jeder, der auf einem Campingplatz lebt, hat dieselben Ansprüche wie man selbst; Stichwort: Gemeinschaftsduschen oder Toiletten, dazu später nochmal mehr.
  • Saison. Versus: Mehr Betriebsamkeit 
  • Halblegale Status
  • Ungepflasterte Wege - bei Matsch und Regen eine Herausforderung
  • Heizung, Wasser, Strom - nicht jeder Platz hat einen Wasseranschluss. 
  • Wenig Platz ist nicht immer befreiend.

Eine Übersicht über das, was der Gesetzgeber zum Leben auf dem Campingplatz sagt und was es zu beachten gilt, gibt es hier: https://www.arag.de/service/infos-und-news/rechtstipps-und-gerichtsurteile/heim-und-garten/07541/

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