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Barfuß in Crocs

So, wie der See je nach Witterung seine Farben wechselt, wechseln seine Bewohner. Immer Winter waren es die Schwäne, jetzt haben die Gänse übernommen. Ein Paar wird zum Dauergast vor dem Wohnwagen. Er wacht, während sie grast, und droht Gefahr, schiebt er fauchend Hals und Kopf nach vorn und ist bereit, es mit jedem aufzunehmen, der ihr zu nahe kommt.

  

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28. März, barfuss in Crocs. Nicht eben heiß, aber auch längst nicht mehr kalt. Die Stimmung am Morgen ähnelt der vom Oktober. Die Sonne im Morgentau auf der Wiese. Frieden auf dem See. Ein Tag als Versprechen.
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Das Neue kündigt sich mit Betriebsamkeit an. Vor dem Platz bepflanzen Gärtner die Balustrade, ein Mann reinigt den Eingang der Rezeption mit dem Hochdruckgerät, der Wirt lässt Tische und Stühle für die Veranda des über Monate geschlossenen Restaurants liefern. Nervöse Spannung über allem. Zögernd wagen sich die ersten Camper nach draußen.

Snowbirds und Earlybirds

In Amerika nennt man die diejenigen Snowbirds, die im Süden überwintern und dann vor der Hitze des Sommers in den Norden fliehen. Hier sind es Saisongäste.

Und noch eine Erkenntnis: Platz freihalten, das geht auch ohne Badetuch. Auf dem Campingplatz fährt man zu diesem Zweck den Wohnwagen vor, stellt ihn auf den besten Platz - und verschwindet wieder, für Tage. Für Wochen. Und kommt erst wieder zur Hauptsaison. Nicht Snowbirds. Earlybirds. Was immer man auch davon halten mag.  

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Ich und mein Chateau, wir ziehen um, unsere erste gemeinsame Reise. Von hier geht es auf die andere Seite des Sees. Mein alter Platz ist nun den Tagesgästen vorbehalten. Soll mir recht sein, wird hier eh langsam zu eng. Und die störrische Heizung knackt dazu genüsslich vor sich hin. 

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Und nein, es ist nicht in Ordnung, zu zweit in einem Wohnmobil in der Größe eines Linienbusses auf erhobenen Plätzen zu residieren. Das ist unanständig und wird bestraft mit einer zusätzlichen Lektion in Sachen Bescheidenheit. 

Hannes verlässt den Campingplatz

Er steht am Rand des Sees, Nieselregen fällt, es passt zu seiner Stimmung.

Er ist jetzt 72 Jahre alt, er dachte, er sei angekommen. Er hatte sich eingerichtet. Mit Vorzelt und großen Plänen. Am ersten Tag tanzte er vor Freude auf dem Dach des Wohnwagens, er konnte sein neues Leben kaum erwarten, dann aber kam die Arthrose und nichts war mehr wie vorher. Gegen die Schmerzen nahm er Tabletten und wegen der Tabletten trank er keinen Alkohol mehr, und weil er keinen Alkohol mehr trank, wurde es sozial etwas schwierig. Sagt er.

Winter mit viel Sturm und Regen

Als er ankam mit seinen Plänen, hatte er alles richtig machen wollen. Dann aber glitten ihm die Dinge aus den Händen. Nach dem Winter mit viel Regen und Sturm sah der Platz um seinen Wohnwagen so aus, dass die Nachbarn sich über die Unordnung beschwerten, und eins kam zum anderen. Die Aufforderung von der Verwaltung, die Ordnung wieder herzurichten, der feuchte Boden, der seiner Arthrose zusetzte, am Ende gab er auf. 

Der Abschied sei schwer, sagt er. Es sei schwer für ihn, sagt seine Freundin. Im Alter gewöhne man sich nicht mehr einfach so um. Gestern war sein Geburtstag. Zusammen stießen sie mit einem Glas Cola Light an.

Hannes steht am Rand des Sees. Nieselregen auf der Schiffermütze. 

Frühling im Chateau

Tipps zum Kauf von gebrauchten Wohnwagen

  • :: Wohnwagen oder Wohnmobil? Für den Wohnwagen spricht die Flexibilität. Anders als mit dem Mobil ist man mit dem Wagen tatsächlich auch mobil. Für ein gebrauchtes Modell spricht der Preis, für mein Chateau habe ich 3800 Euro bezahlt. Und die Preise für gebrauchte Wagen sind einigermaßen wertstabil. 
  • :: Wer bin ich - und wenn ja, wie viele? Gut überlegt sein sollte, wie und wann das Fahrzeug zum Einsatz kommt. Für die Nacht jeweils das Bett aufbauen müssen, nervt auf Dauer. Und selbst, wer nur im Sommer verreist, sollte die Größe des Wagens nicht unterschätzen. 
  • :: Der Kauf von Privatpersonen kann von Vorteil sein, meist sind die Modelle günstiger. Allerdings gibt es beim Kauf vom Händler eine Garantie von einem Jahr, mich jedenfalls hat das enorm beruhigt.
  • :: Feuchtschäden sind das A und O; in die Ecken schauen, unters Polster, um die Fenster, Finger weg bei Schimmel und Wasserflecken, auf absolute Trockenheit achten. Dachluken, Ecken, sind die Dichtungen noch geschmeidig? Gibt es irgendwelche Schäden - von Hagel etwa? Oder Risse im Isofenster? Riecht es nach Zigarette?
  • :: Gasprüfungsbescheinigung checken, Papiere kontrollieren, funktioniert der Wasseranschluss? Der Strom? Und ganz wichtig: Funktionieren Umluftgebläse und die Heizung? Der Einbau einer neuen kostet mal eben 1000 Euro. Nicht am falschen Ende sparen.
  • :: Wer einen Oldtimer kauft, sollte die Restaurierungsarbeiten kritisch hinterfragen. Bei einem hingeschluderter Farbanstrich oder lieblos ausgebesserten Stellen, ist Vorsicht geboten.
  • Eine gute Übersicht über alle Dinge, die es zu beachten gibt, findet sich hier: 

https://www.caravaning.de/tipp/basiswissen-gebrauchtwohnwagen-kauf-haendler-privat-kontrollieren/

 

 

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